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Notarzt-Einsatz-Hubschrauber

NEH

Das luftgebundene Notarztsystem - eine schnelle Ergänzung zu bisherigen Strukturen

Die medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger gerade in den ländlichen Regionen wird im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung zu einer der wesentlichen Zukunftsfragen in unserem Land.

Davon betroffen ist insbesondere auch die Sicherstellung der flächendeckenden Notarztversorgung im Rahmen des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes. Den stetig steigenden Einsatzzahlen insbesondere in dem Bereich der notarztgestützten Einsätze steht eine stetige Verringerung der verfügbaren Notarztressourcen gegenüber.

Schon heute gibt es einen manifesten Notarztmangel - und zurückgehende medizinische Infrastrukturen führen dazu, dass die Probleme in dem Bereich der notärztlichen Versorgung der Bevölkerung mittlerweile nicht länger verleugnet werden können.

In diesem Zusammenhang ist ohnehin fraglich, ob alle erforderlichen Notarztstandorte zukünftig noch besetzt werden können.

Einige Schlagworte:

• Arbeitszeitregelungen der Ärzteschaft

• Mindestens 5.000 nicht besetzte Arztstellen in Krankenhäusern

• „Landarztstellen“ brechen weg

• (Not-) Ärztemangel

• Krankenhäuser schließen oder bieten nur noch spezialisierte Leistungen an (Verringerung der Krankenhausdichte)

• Demographische Entwicklung

• Alterszuzugsstruktur und Wohnsituationen

Der KBA e.V. hat diese sich zuspitzende Problematik erkannt und ein Projekt gestartet, das als Konzepte für die Zukunft gewertet werden kann.

Die Notarztzubringung per Hubschrauber - das Notarzt-Einsatz-Hubschrauber-System als Ergänzung bisheriger Strukturen.

Ursprünglich war es die Aufgabe von Rettungs-Transport-Hubschraubern (RTH), Schwerstverletzte unter ärztlicher Begleitung in Fachkliniken zu überführen. Die Tatsache, dass RTH grundsätzlich mit einem Notarzt besetzt sind, führte nach und nach dazu, dass diese auch zunehmend dann eingesetzt wurden, wenn ein reguläres Notarzt-Einsatz-Fahrzeug (NEF) nicht verfügbar war. D.h. die RTH wurden zunehmend als Notarzt-Zubringer eingesetzt und nicht mehr nur alarmiert, wenn ein entsprechendes Unfallgeschehen bereits darauf schließen ließ, dass ein Patient auch mit einem RTH transportiert werden müsste.

Mittlerweile ist es so, dass ein RTH nur noch in 17% aller Fälle, bei denen er zu einem Notfall gerufen wird, auch den Transport des Patienten übernimmt!

In allen anderen Fällen dient er lediglich als Zubringer eines Notarztes für eine schnelle, notärztliche Versorgung – und der Transport des Patienten erfolgt mit dem grundsätzlich parallel hinzu alarmierten bodengebundenen Rettungswagen.

Im Gegensatz zu einem RTH dient ein Notarzt-Einsatz-Hubschrauber ausschließlich der Beförderung eines Notarztes zum Einsatzort. Dort trifft auch er mit dem bodengebundenen Rettungswagen zusammen (Rendezvous-System), der anschließend den Patiententransport (mit oder ohne Notarzt des NEH) übernimmt.

Durch die außerordentliche Verfügbarkeit (Geschwindigkeit und Luftlinie zum Einsatzort) deckt ein NEH innerhalb von geringen Zeitfenstern erhebliche Einsatzradien ab. Dadurch werden therapiefreie Zeiträume für hilfesuchende und lebensbedrohte Bürger auf ein Minimum reduziert.

Da der NEH keine Patiententransporte durchführt, ist er wesentlich flexibler und kosteneffizienter als ein RTH.

Pilot-Projekt Notarzt-Hubschrauber NEH "KUNO-SH 01"  

Am 15. Juli 2011 hat der KBA e.V. im Rahmen eines Pilot-Projektes den ersten Notarzt-Hubschrauber NEH "KUNO-SH 01" in Schleswig-Holstein (und den zweiten überhaupt seiner Art in Deutschland) am Standort Flugplatz Hartenholm (Kreis Segeberg) in Betrieb genommen.

Bereits vor der Inbetriebnahme des ersten Notarzt-Hubschraubers NEH „KUNO-SH 01“ in Schleswig-Holstein hat der KBA e.V. betont, dass es sich um ein auf drei Monate zeitlich begrenztes Pilot-Projekt handelt. Daher wurde am 15. Oktober, drei Monate nach dem Start der Projektphase, mit einem „Fly-Out“ des NEH „KUNO-SH 01“ vom Flugplatz Hartenholm die „aktive“ Phase dieses Projektes beendet.

Parallel wurden alle Unterlagen, die für eine wissenschaftliche Auswertung notwendig sind, zusammen gestellt und einem unabhängigen Gremium zur Auswertung übergeben. Denn zu wissen, dass ein Notarzt-Einsatz-Hubschrauber-System notwendig und zukunftsfähig ist, ist die eine Seite. Dieses unter realistischen Bedingungen zu testen und Erfahrungswerte zu sammeln, die wissenschaftlich ausgewertet werden können, die andere und wesentlich Wichtigere für die Integration dieses Systems.

KUNO wurde im Kreis Segeberg insgesamt 64 Mal alarmiert. Für die wissenschaftliche Auswertung werden aber nicht nur die Daten zu den real durchgeführten Einsätzen zur Verfügung gestellt. Viel bedeutender sind die Daten, die während der Projektphase zu Einsätzen gesammelt wurden, zu denen der Notarzt-Hubschrauber nicht gerufen wurde.

Gerade zum Ende der Projektphase hin haben sich viele Bürgerinnen und Bürgern sowie Medienvertreter an den KBA e.V. gewandt um nachzufragen, warum der Notarzt-Hubschrauber NEH „KUNO-SH 01“ bei speziellen Notfällen in Nachbarkreisen nicht im Einsatz war.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung werden Ende Januar vorliegen und der Öffentlichkeit präsentiert. Anfang Februar werden diese dann von Experten im Rahmen eines Forums „Notärztliche Versorgung“ bewertet und diskutiert.

Ziel des KBA e.V. ist es, dass NEH "KUNO-SH 01" spätestens im Frühjahr 2012 in einen Regelbetrieb überführt wird.